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Aberglaube im Gotteslob

Von Johannes Vielhaber

Da findet man in unserer Kirche in einem roten Gotteslob einen Papierstreifen mit folgendem Text:

Novene zum hl. Herzen Jesu
Möge das allerheiligste Herz Jesu verehrt, gelobt, gepriesen und verherrlicht werden, hier und an allen Orten auf der ganzen Welt. Jetzt und immerdar. Amen
Man bete dieses Gebet 6x am Tage und das 9 Tage lang, und lasse jeden Tag eine Kopie davon in einem Gebetbuch oder in der Kirchenbank zurück liegen. Noch vor dem 9. Tag wird deine Bitte erhört werden und möge diese noch so unerfüllbar erscheinen.

Was ist eine Novene? In der katholischen Kirche versteht man seit altersher darunter eine Frömmigkeitsübung – besonders in Ordensgemeinschaften - , bei der an neun aufeinander folgenden Tagen bestimmte Gebete in bestimmten Anliegen verrichtet werden. Es gibt Novenen vor großen Festen (Ostern, Pfingsten, Weihnachten), aber auch z.B. vor dem Weltjugendtag 2005, vor oder nach wichtigen persönlichen Entscheidungen und Lebensereignissen, beim Tod z.B. eines Papstes, zu vielen Heiligen der Kirche. So haben Novenen ihren ganz eigenen Wert, auch die beiden ersten Sätze der Herz-Jesu-Novene.
Schlimm wird das jedoch, wenn man Gebetsanliegen in Form eines Kettenbriefes wie im Gotteslob verbreitet, der mit der Angst oder Hoffnung der Menschen spekuliert. Warum gerade 54mal beten? Oder in anderen Fällen neun Tage lang eine Kerze brennen lassen mit dem Versprechen (siehe auch oben), dass die Bitte auf jeden Fall vor dem 9. Tag erhört wird, und sei sie noch so unerfüllbar.

Jesus selbst hat die Menschen auch zum bittenden Gebet aufgerufen, nicht aber in dem Sinn, dass „Gott für uns nur ein brauchbares Mittel“ (Katechismus der Kath. Kirche) zur Erfüllung unserer ichbezogenen Wünsche ist.

Überlassen wir Gott unsere Anliegen, aber klammern wir uns nicht an den Aberglauben fördernde Kettenbriefe mit ihren pseudoreligiösen Gebrauchsanweisungen.

Pastoralverbund Oeventrop / Rumbeck | info@pvor.de