„Als Chagall auf das Symbol des roten Pferdes angesprochen wurde, sagte er einfach: „Pferde stehen für Glück“; und eine volle Erklärung zurückhaltend, „jeder muss sich seine Symbole selbst wählen.“ (vgl. Kirchenführer von Mary Neervoort-Moore Tudeley)
Unter dieser Voraussetzung dürfen wir uns links oben den weit ausschreitenden Engel mit seinen mächtigen Flügeln als Schutzengel des Mädchens vorstellen oder als einen der Engel, die die Verstorbenen ins Paradies geleiten.
Das tiefe Blau des Meeres in der unteren Bildhälfte wird zum strahlenden Blau des Himmels in der oberen Hälfte. Dieses himmlische Blau wird durchbrochen von Bögen in flammendem Rot, dieses Rot, die Farbe der Lebendigkeit und der Liebe ist auch zu sehen unterhalb des Kreuzes, auf einer Sprosse der Leiter, im Pferd und als leuchtender Punkt in der dunklen Blase in der Mitte des Bildes.
Diesen leuchtend roten Punkt können wir deuten als das ewige Licht, das in der himmlischen Herrlichkeit Gottes leuchtet, und so könnte von dieser Bildmitte her das Bild in seiner Gesamtheit unser Gebet für die Toten werden: Herr, lass sie leben in deinem Frieden und das ewige Licht leuchte ihnen.
Vor 2 Jahren habe ich mit einer Reisegruppe vor diesem Fenster gestanden. Der Reiseleiter Herr Hans-Dietrich Schütz, der in beeindruckender Weise dieses Kunstwerk Chagalls auslegte, brachte die Aussage des Bildes in Zusammenhang mit dem Psalm 69. Dort heißt es:
Hilf mir, o Gott, schon reicht mir das Wasser bis an die Kehle.
Ich bin in tiefem Schlamm versunken und habe keinen Halt mehr.
Ich geriet in tiefes Wasser, die Strömung reißt mich fort.
Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade.
Erhöre mich in deiner großen Huld, Gott, hilf mir in deiner Treue.
Entreiß mich dem Sumpf, damit ich nicht versinke.
Zieh mich heraus aus dem Verderben, aus dem tiefen Wasser.
Lass nicht zu, dass mich die Flut überschwemmt, die Tiefe mich verschlingt.
Ich aber bin elend und voller Schmerzen, doch deine Hilfe , o Gott wird mich erhöhen.
Ich will den Namen Gottes rühmen im Lied, in meinem Danklied ihn preisen.
Mit diesem Psalm beenden wir unsere 2-jährige Reihe über die Psalmen. Zwei Jahre lang haben wir fast jeden Monat in unserer Frauengemeinschaftsmesse einen Psalm betrachtet und gebetet. Wir haben die Psalmen kennen gelernt als einen kostbaren Schatz von Gebeten und Liedern , in denen wir alles vor Gott bringen können, was uns erfüllt und bewegt: Freude und Dank, Leid, Not und Klage, unsere Fragen und Zweifel, aber auch - wie in diesem Psalm 69 - unsere Hoffnung, dass die
Toten nicht im Tod untergehen und zugrunde gehen, sondern auferstehen zu einem neuen, glückseligen Leben in Gott.
Voll Dankbarkeit, dass uns dieser Schatz der Psalmen geschenkt ist, setzen wir als Schlusspunkt unserer Psalmenreihe jenen letzten Vers, der auch das Buch der Psalmen abschließt und gleichzeitig zusammenfasst: Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja (Psalm 150,6)