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Gemeinschaftsmesse der kfd Heilige Familie Oeventrop am 6. Mai 2008:

„Taufgedächtnis“

Von Renate Adam

„Komm Schöpfer Geist“, so singen wir in den Tagen vor Pfingsten. Wir wenden uns an den Schöpfergeist Gottes, an den Schöpfer, der alles geschaffen hat und der uns in der Taufe neu geschaffen hat als Kinder Gottes. An unsere Taufe und daran, was sie für uns bedeutet, wollen wir jetzt denken mit dem Lied: Fest soll mein Taufbund immer stehen.

Dieses Lied ist wohl eines der bekanntesten Kirchenlieder. Begleitet von brausendem Orgelklang wird es begeistert geschmettert und voller Inbrunst gesungen, es weckt Gefühle und Erinnerungen: Erinnerungen an Erstkommunion und Firmung, an hohe Feiertage und feierliche Gottesdienste.

 

Taufbrunnen in der Pfarrkirche Heilige Familie Oeventrop (Foto: Renate Adam)

Fest soll mein Taufbund immer stehen.

Was ist damals, als wir getauft wurden, mit uns geschehen? Im Grunde das - wir hören es gleich im Evangelium - , was bei der Taufe Jesu im Jordan auch geschah: der Himmel öffnet sich:

bei jeder Taufe öffnet sich der Himmel, und bei jeder Taufe spricht Gott zum Menschen: „Du bist mein geliebtes Kind, du gefällst mir. Ich bin da für dich, ich bin und bleibe bei dir in Freud und Leid, in Angst und Not, dein Leben lang.

Gott verbindet sich für immer mit uns. Das können wir nicht begreifen, nur glaubend annehmen. Ein neueres Tauflied sagt das so: O Seligkeit, getauft zu sein! Ein Wunder ist's, wie das geschieht. Ich bete an und glaube.

Wir sind getauft auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Getauft auf den Namen Jesu des Herrn - so heißt es in der heutigen Lesung - getauft auf den Namen Jesu des Herrn, bekamen wir seinen Namen, Christ, wir wurden Christen und wurden als solche eingegliedert in die Gemeinschaft der Christen, d.h. in die Gemeinschaft derer, die zu Christus gehören, und die versuchen, ihm nachzufolgen und in seinem Geiste und mit der Kraft seines lebendigen Geistes zu leben und zu handeln.

Die Taufe ist einmalig und unwiderruflich. Der Taufbund besteht für immer. Gott stellt diesen Bund mit uns niemals in Frage, er steht fest und treu zu diesem Bund, für immer, ganz sicher. Wie fest und treu allerdings wir, die Getauften, zu diesem Bund stehen, das ist nicht so sicher. Dass der Taufbund auch von unserer Seite fest ist, bleibt eine lebenslange Aufgabe für uns und eine immer wieder neue Entscheidung, uns an Gott und seinen Bund rück – zu - binden mit Herz und Gemüt und mit allen unseren Kräften.

„Ich will die Kirche hören, sie soll mich allzeit gläubig sehn und folgsam ihren Lehren“, so geht der Liedtext bei uns im Gotteslob weiter. Sind wir uns wirklich bewusst, was da gesungen wird? Ich will die Kirche hören. Stimmt das denn? Da gibt es – auch unter gläubigen Katholiken - Stimmen, die sagen: ich habe mit diesem Text Schwierigkeiten: ich will die Kirche hören - das kann ich so nicht mitsingen, ich bin ja nicht mit allem einverstanden, was die Kirche sagt, und ich tue ja auch nicht alles, was die Kirche mir sagt, das Kirchengebot z.B. - wenigstens einmal im Jahr zu beichten - habe ich schon lange nicht mehr beachtet. Es scheint mir unehrlich zu sein, wenn ich trotzdem singe: ich will die Kirche hören.

Anders als vor 200 Jahren – als dieser Text entstand, nämlich 1810 – anders als vor 200 Jahren wollen viele Gläubige heute lieber auf das hören, was Jesus im Evangelium sagt als auf das, was die Kirche sagt und vorschreibt. Diese veränderte Einstellung wird daran deutlich, dass dieses alte Lied, welches bei uns im Gotteslob im Paderborner Anhang noch zu finden ist, in vielen Gesangbüchern der deutschen Bistümer gar nicht mehr erscheint oder aber mit abgeändertem Text. Und wer von uns vor wenigen Wochen in einer der beiden Erstkommunionmessen war, hat mitbekommen, dass auch bei uns eine neue Fassung gesungen wurde. Diesen neuen Text haben Sie vor sich:

Fest soll mein Taufbund immer stehn, zum Herrn will ich gehören. 

Er ruft mich seinen Weg zu gehen und will sein Wort mich lehren.

Wir wären heute morgen ja wohl alle nicht hier, wenn wir das nicht wollten, zum Herrn gehören, wenn wir das nicht wollten, auf sein Wort hören, nach seinem Vorbild handeln, seinem Ruf folgen und mit ihm den Weg des Lebens gehen. Wir wollen das. Aber wie fest wollen wir das?

Zum Herrn will ich gehören. Diese Worte erinnern mich an das, was mir kürzlich eine junge Mutter erzählte: da ist ein kleiner Junge im 1. Schuljahr. Er ist nicht getauft, weil beide Eltern aus der Kirche ausgetreten sind. Irgendwie kommt im Unterricht die Rede auf die Taufe. Der kleine Junge kann nicht mitreden, und mehr und mehr fühlt er sich in der Klasse als Außenseiter, als nicht dazugehörig. Er kommt nach Hause und sagt zu seinen Eltern – wörtlich -: „Ich will auch zu Gott gehören.“

Die Eltern sind ans Nachdenken gekommen, und uns könnte diese Aussage des kleinen Jungen Anlass sein, uns mit Dankbarkeit an unsere Taufe zu erinnern und an die Gnade, dass wir wissen, wohin wir gehören , dass wir wissen, zu wem wir gehören, dass wir wissen um Gottes grenzenlose Liebe und sein Versprechen, immer bei uns zu sein, alle Tage. Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad in seine Kirch berufen hat: Denken wir dankbar an unsere Taufe, an das was sie uns geschenkt hat: Gotteskindschaft, Christusfreundschaft und Geisterfülltheit, die uns als neue Menschen leben lässt mit der großen Hoffnung auf ein ewiges, glückliches Leben.

Die Taufe war der Anfang dieses neuen Lebens, der Anfang unseres Christseins, ein unverdientes Geschenk Gottes, eine Gnade, aber sie ist auch eine Aufgabe: immer mehr sollen wir Christ werden, immer mehr Christus ähnlich werden und ihm gern nachfolgen. Dazu wollen wir jetzt um Gottes Hilfe bitten, in dem wir ein Taufgedächtnis begehen.

In diesem Gedenken an unsere Taufe und bei dem Segnen mit dem Wasser aus dem Taufbrunnen erneuert sich die wunderbare Gnade des Anfangs: Der uns im Wasser der Taufe geschenkte Heilige Geist belebt und erfrischt uns neu, und er verbindet uns von neuem mit Christus, unserem Herrn. Er stärkt uns und hilft uns dabei, dass wir in die Tat umsetzen, was wir als Wunsch singen: Fest soll mein Taufbund immer stehen.

Taufgedächtnis

Einladung zum Taufbrunnen zu kommen

Lied 424, 2 „ vidi aquam“ Frau Echterhoff

(Vidi aquam ist der Name des gregorianischen Chorals, der während der heiligen Messe gesungen wird, wenn anstelle von Weihwasser Taufwasser ausgeteilt wird. Dies ist in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten der Fall. Da der Choral heute eher selten verwendet wird, gerät er mit der Zeit in Vergessenheit.

Der Text lautet:

Vidi aquam egredientem de templo, a latere dextro, alleluja: et omnes ad quos pervenit aqua ista, salvi facti sunt, et dicent: alleluja, alleluja. (Ps 118,1 EU) Confitemini Domino, quoniam bonus: quoniam in saeculum misericordia eius.''

Übersetzung:

Ich sah Wasser herausfließen aus der rechten Seite des Tempels, halleluja, und alle, zu denen das Wasser drang, wurden heil, und sie werden sagen: halleluja, halleluja. (Ps 118,1) Preiset den Herrn, denn Er ist gut; denn ewig währt Sein Erbarmen.

Der zunächst etwas unverständlich wirkende Text bezieht sich auf die Worte des Propheten Ezechiel (Hes 47,2 EU), der das heilkräftige Wasser des Tempels als heiligende Flut ansah, welche die Erde durchströmt. (Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Vidi_aquam)

Segnen mit Wasser aus dem Taufbrunnen

Gemeinsames Gebet

Gott, Du hast mich beim Namen gerufen.

Ich nehme neu den Bund an,

den Du durch Jesus Christus in der Taufe für immer mit mir geschlossen hast.

Ich bitte Dich:

Schenke mir neu Deinen Heiligen Geist

und gib mir die Kraft,

immer mehr Dir zu gehören.

Erleuchte meinen Verstand,

stärke meinen Willen,

läutere meine Gefühle und meine Wünsche.

Sei Du der Herr in meinem Leben

und erlöse mich von dem Bösen.

Ich widersage dem Misstrauen gegen Dich und bitte dich:

Nimm alles von mir, was mich von Dir trennt.

Ich danke Dir, dass Du mich bejahst, so wie ich bin.

Verändere mich so, wie Du mich haben willst.

Ich bin bereit,

alle Geistesgaben anzunehmen,

die Du mir schenken willst.

Mache mich zu einem lebendigen Glied Deiner Kirche.

Gib mir Kraft und Ausdauer

im Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden.

Ich will Dich lieben und zu dir gehören für immer. Amen. (vgl. Taufgedächtnis Vallendar)

Gemeinsames Lied

Fest soll mein Taufbund immer stehn,

zum Herrn will ich gehören.

Er ruft mich seinen Weg zu gehen

und will sein Wort mich lehren.

Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad,

in seine Kirch berufen hat,

ihm will ich gern nachfolgen.

 

Pastoralverbund Oeventrop / Rumbeck | info@pvor.de