Trauerzug – hinten auch noch?
Von Johannes Vielhaber
In unseren Pfarrgemeinden Heilige Familie Oeventrop und St. Nikolaus Rumbeck erlaubt es die Lage der Kirchen zu den Friedhöfen, den Verstorbenen in einem Trauerzug von der Kirche aus das letzte Geleit zu geben. Der Volksmund sagt dazu: Man geht mit der Beerdigung.
Vielerorts ist das nicht (mehr) möglich. Nach dem Seelenamt fährt man im eigenen PKW oder auch mit einem eigens von den Angehörigen des/der Verstorbenen gemieteten Bus zum Friedhof. Da entsteht durch diese äußeren Umstände ein deutlicher Riss zwischen dem Gottesdienst und der eigentlichen Bestattung.
Ganz anders, wie gesagt, in unseren beiden Gemeinden, in denen Seelenamt, Trauerzug und Bestattung eine Einheit bilden für Angehörige und Mittrauernde. Unter dem Geläut der Totenglocke zieht man ernst und schweigend mit Respekt vor dem Verstorbenen und seiner trauernden Familie zum Friedhof - zumindest an der Spitze des Trauerzuges.
Es ist auch schön, wenn die Schuljahrgänge, Firmen oder Betriebe, Vereine und Berufskollegen und entferntere Nachbarn oder Bekannte dem oder der Verstorbenen die letzte Ehre erweisen. In der Presse unter „Termine“ werden die Beerdigungen und der entsprechende Treffpunkt ja bekannt gemacht. Meistens gehen sie dann mehr am Schluss des Trauerzuges.
Häufig sinken dann proportional zur Entfernung von der Spitze des Zuges nach hinten auch Anteilnahme und gesammeltes Schweigen. Denn endlich hat man sich mal wieder getroffen. Das letzte Mal war das auch bei einer Beerdigung. Da gibt es halt viel zu erzählen . . .
So wird dann munter getuschelt und gebrummelt. Man wird Ohrenzeuge - unfreiwillig – von Scheidungen, Krankheit und Urlaub, von Familie und Kindern. Interessant auch der Ausblick auf neue Baugebiete oder die Bemerkungen über die immer noch schlechten Straßenbeläge. Selbst das „Sträßchen“, seit zehn Jahren schon erneuert, reißt einen weitgereisten Trauernden noch 2007 zu anerkennenden Kommentaren hin. Kurz, es gibt nichts, was am Schwanz der Beerdigung nicht willkommener Gesprächsanlass sein könnte.
Eigentlich ist doch der Weg von unseren beiden Pfarrkirchen zu den Friedhöfen bei Beerdigungen ein kostbarer Weg. Für einige Minuten Zeit zur Ruhe, zur Stille, zum Nachdenken oder zu einem leisen Gebet.
Vor Jahrzehnten, wenn der Musikverein am Grabe gespielt hatte, zogen die Musiker ins Dorf zurück und ab dem Oemberg etwa spielten sie dann einen Marsch, ein Zeichen, dass das Leben doch weitergeht. Meistens treffen sich heute nach Beerdigungen die Jahrgänge oder Vereinsmitglieder noch in einem Lokal zu einem Glas Bier: das Leben geht weiter. Und da könnte man dann über das reden, worüber man sonst am Schwanz der Beerdigung klönt. Oder nicht?
(Aus: BRÜCKE, Ausgabe Mai 2007)